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Der Tablă
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Die Faszination der
Tablă und ihrer Vielfalt an Spielmöglichkeiten beruht
wesentlich auf dem Bau der Trommeln, insbesondere der Felle.
Die Bezeichnung Tablă
ist zweideutig. Er meint einmal das Trommelpaar steht aber auch für
die kleinere, höher klingende und meist aus Holz gefertigte Trommel
des Paares. (je nach Region auch Dayăn genannt, - oder in
Afghanistan als "Sil" bezeichnet) Die tiefe
Trommel wird Băyă (Băyăm; auch Duggi oder in Afghanistan
"Bam") genannt. In Hindi sind beide Bezeichnungen Tablă wie
Băyă männlich. Geschlechterverwirrungen entstammt wohl auch aus den
Klangfarben die es ermöglichen beiden Instrumenten männliche und
weibliche Eigenschaften zuzuschreiben.
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"Der" Tablă (Dayăn;
Sil)
besteht aus einem ca. 25 bis 30 cm hohen zylindrischen Holzblock, "Khod"
oder "Kundi" genannt, der von oben her hohl ist. Meist ist er
aus dem Kern- oder Wurzelholz des Biwla,- Sheesam- oder Khadir Baumes gefertigt.
Schöne Instrumente habe ich aber auch schon aus europäischen Holzarten
gesehen (z.B. aus Rosenholz). Das Fell (Puri) besteht aus Ziegenhaut
(Goatskin) . Ein zweites
Fell, ausgeschnitten zu einem ringförmigen Streifen, bedeckt das Puri am
Rand (Kinăr oder Chănt genannt). Um das Obertonspektrum der Tablă zu
erweitern wird zwischen die beiden Felle meist ein seidenes Fädchen
eingelegt. Zudem werden so unerwünschte Vibrationen vermindert. Beide
Felle sind mit ihrem äußeren Rand in einen festen Ring eingeflochten (Gajră).
Ein zweiter Ring umfasst den Boden der Trommel. Beide Ringe sind rund um
den Tabla durch einen kräftigen Riemen verbunden (Baddhi), der fest
angezogen, das Puri unter hoher Spannung hält. Zwischen diesen Riemen und
dem Holzkörper stecken acht zylindrische Hartholzblöcke (Ghattă),
welche die Spannung noch erhöhen und als Stimmblöcke dienen. Im Zentrum
des Puri klebt gleich einem Augapfel (daher der Name "akh"-
Auge) eine schwarze, erstarrte Paste aus weich gekochtem Reis,
Eisenfeilspänen, Gummi arabicum, Ruß und anderen Zutaten, die - in
mehreren Arbeitsgängen aufgetragen und mit einem Stein glatt gepresst -
dem Puri anhaften. Dieses "Auge" wird im allgemeinen Shyahi genannt.
Die genaue Zusammensetzung ist meist Familiengeheimnis und entscheidet
meist über die Brillanz der Tablătöne. Je dicker die Paste aufgetragen
wird, desto tiefer liegt die Tonhöhe der
Tablă.
Auf der Oberfläche der
Tablă unterscheidet man also drei Regionen:
- im Zentrum die schwarze
Shyahi Schicht,
- außen das ringförmige Kinăr- Fell und zwischen diesen
beiden einen
- ringförmig hervorschauenden Ausschnitt des
Puri, welches
Sur oder
"Lav" genannt wird.
Zwei stabile, mit Stoff umwickelte Ringe
halten
Tablă und Băyă beim spielen in der richtigen Lage.
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| Der Körper der Băyă
(kund) wird aus
Ton, Holz, Messing, Kupfer; Neusilber, verchromtem Zink etc. gefertigt.
(Wobei ich kaltgehämmerte und Messing legierte Kupferkörper mit einem
Bleigewicht im Inneren klanglich vorziehe). Der Corpus ist bauchig , hohl
und nach oben geöffnet. Bespannung und Anordnung sind die gleichen wie
bei der Tablă außer, dass das Shyahi nicht in der Mitte sondern etwas
dezentriert auf dem Puri angebracht ist. Meist wird auf hölzerne
Stimmblöcke verzichtet, wobei meiner Meinung nach auf das Stimmen der
Băyă ebensolche Sorgfalt verwendet werden sollte wie bei der
Tablă. Daher habe ich von meinen Lehrern übernommen auch den Băyă mit
Hilfe dünner Holzpflöckchen zu stimmen. Die Băyă's die ich in
Varanassi (Benares) kennerlernte waren nicht mit Lederriemen, - wie der Tablă,
gespannt sondern mit dünnen Seilen deren Spannung mittels kleiner Ringe verändert
werden konnte. |
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| Zum Stimmen der
Tablă und Băyă dient ein kleiner meist versilberter
Hammer, mit dem man die acht Stimmblöcke der
Tablă und - zur Feinstimmung - die Gajră von
Tablă und Băyă auf oder nieder schlägt. Die Tönhöhe der
Tabla variiert je nach Instrumentalist oder Vocalist, - meist liegt sie
zwischen cis und dis. Zwar lassen gute
Tablă's ein Umstimmen im Bereich einer Quinte zu,- doch klingen die
Instrumente am besten in der von ihrem Erbauer zugedachten Tonlage, da so
die harmonischen Obertöne am klarsten hervortreten. Optimaler Klang wir
nur erreicht wenn das Shyahi makellos gearbeitet ist und die Spannung des
Puri an jedem Punkt auf dem Kinăr gleich ist. (Töne auf dem Kinăr
müssen alle gleich klingen). Der Băyă wird im allgemeinen eine
Oktave tiefer gestimmt als die
Tablă. |
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Spielweise von Tablă und Băyă
Man spielt
Tablă und Băyă mit den Fingern und mit den Handflächen. Jede
Anschlagweise hat einen Namen (mnemotechnische Silben), dessen
Lautzusammenstellung den entsprechenden Klang imitiert. Diese sogenannten
"Bols" dienen dem Spieler als Gedächtnisstütze beim
Auswendiglernen der Schlagfolgen. Ständiges rhythmisches Rezitieren und
erinnern der Schlagfolgen sind unabdingbar um Tablăspielen zu
lernen und letztlich zu beherrschen. Diese Bols wurden von Generation zu
Generation weitergegeben und sind bis heute die übliche Form des Lernens
der
Tablă . Curt Sachs nimmt an , dass die Technik der Wiedergabe von
Trommelsilben durch mnemotechnische Silben von Mesopotamien nach Indien
gelangte. (in " Rhythm and Tempo", S. 107). Schon im Nătyasăstra
(Adhyăya
XXXIII, Sloka 41 ff.) und in den Purăna (siehe A. Danielou und N.R.
Bhatt,- "Textes des Purăna sur la Théorie Musicale", S.157)
werden Trommelsilben angegeben.
(Wie es zu werten ist, dass manche
"Musiktherapeuten" oder solche die sich dafür halten -
Trommelsilben mit dem berüchtigten ® zu schützen - ist dem Leser selbst
überlassen...)
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| Jeder Ghărăna
(Schule;Stilrichtung) hat seine
Eigenheiten in Benennung und Ausführung der einzelnen Schlagarten. Nach
Nikhil Gosh ("Sience and Art of keeping Time in Indian Music",
S.45) gibt es sieben Grundschläge, genauer Grundklänge ("basic
sounds"), fünf für den
Tablă und zwei für den Băyă. Aus diesen sieben Grundklängen
lassen sich durch leichte Veränderungen der Anschlagtechnik fünfzehn
weitere Klänge (Nikhil Gosh:"microtones") ableiten. (Diese Zahlen
korrespondieren nur zufällig mit denen der sieben Svara und
zweiundzwanzig Shruti im indischen Tonsystem.) Werden diese zweiundzwanzig
Klänge miteinander kombiniert, erklingen also
Tablă und Băyă gleichzeitig, so erhält man eine sehr große Zahl
von möglichen Klängen, die aber in der Praxis nicht alle genutzt werden.
Die große Zahl der Klänge beruht auf besonders fein differenzierten
Anschlagweisen, durch die der Spieler das Trommelfell entweder frei
schwingen lässt oder ganz oder teilweise abdämpft. Die sieben
Grundklänge sind: |
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| Băyă |
Tablă |
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1.) Ghe
(Ge)
2.) ka (ke) oder kath (kat) |
3.) Na (Nă;
Ne; => auf Kinar)
4.) Ta (Tă ;=> auf Sur)
5.) Di (Dhi; tin;tu)
6.) te
7.) the (für Dhere Dhere)
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Einige häufig
gebrauchte Kombinationsklänge lauten:
- Dha - Gleichzeitiges spielen
von Na und Ge
- Dhen (Dhin) -
gleichzeitiges spielen von Ta (auf Sur) und Ge
- Dhe - gleichzeitiges spielen
von te und Ge (Dhete Dhete)
- Dhere - gleichzeitiges
spielen von there und Ge
- Tin - gleichzeitiges spielen
von Di und Ke
Wird der Băyă geschlossen gespielt (also ka
oder ke statt ge) so treten nur die Tablă- Bol in
Erscheinung.

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Tablă
und Tălă
Für Instrumentalisten insbesondere Sitar-
Spielern steht fest, dass im 13.Jh. n. Ch. der aus Persien stammende, und
am Hof von Sultan Allauddin Khilji lebende Sänger und "Erfinder"
des Tarăna- Gesangstils,
Ameer Khusaroo (Amir Khusrau; Amir Khusru), - "ihr Instrument" die Sitar
(von dem persischen seh-tar, d.h. "dreisaitig") in ihrer
heutigen Form
entwickelt hat. (siehe auch Ravi Shankar, My
music, My Live S. 46)
Der Beginn der Tablă beginnt in Legenden
und (Musiker-) Märchen. Eines davon ist, dass der Phakhawaj- Spieler Sidhăr
Khan (Sudhăr oder Siddha Khan) Hofmusiker am Hof Akbars im 16. Jahrhundert
- aus Frust über
seinen Kollegen Bhagawan Das, - der sämtliche
musikalischen Wettbewerbe für sich entscheiden konnte, - sein Instrument in zwei
Hälften schlug. Aus diesen beiden Hälften habe er die Tablă
entwickelt. Nach 12 Jahren Einsamkeit habe er dann
dieses Instrument und
eine neue Spielweise in bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannter Art und Weise
vorgestellt.
Wahrscheinlich ( - was nicht eindeutig belegt ist) wurde
das Instrument im dreizehnten Jahrhundert entwickelt.
Tatsache ist, dass um 1700 eine Reihe
neuer Gesangsstile geschaffen, bzw. in die Hofmusik eingeführt wurden. Zu
diesen leichteren und eleganteren Gesängen passte nicht mehr die
mächtige Doppelkonustrommel die Phakhawaj mit der auch die damals
dominierenden Dhrupad- Gesänge begleitet wurden. Die Tablă
hat schon damals in der Volks- und Kunstmusik eine Rolle gespielt,(- was
ebenso nicht belegt ist). Sie erwies sich letztlich als das ideale
Begleitinstrument und hat seither eine führende Rolle unter den indischen
Konzerttrommeln eingenommen.
Ungeachtet der geschichtlichen Tatsachen
gilt Sidhăr
Khan aber als der Gründer der Delhi Ghărăna
(Schule; Stilrichtung)
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Die Zeit wird in Indien seit jeher "als
endloser Kreislauf der Äonen" erlebt und überliefert. Diese
zyklische Zeitschau findet ihre Entsprechung in den Tălă - Perioden der
Kunstmusik. Die Tablă war bis in die Neuzeit in erster Linie
Begleitinstrument das im Ragasystem der nordindischen klassischen Musik
für die "Zeit" - Tălă verantwortlich ist, während der
Instrumentalist oder Sänger, zuständig ist für die
Stimmung und Harmonie (Răsa).
Das Wort Tălă
hat durch die Zeiten wohl einen Bedeutungswandel erfahren -
anfänglich stand es (- abgeleitet von Tăli) für das Klatschen
und Schlagen der Hände zu Musik und Tanz. Es hat sich durch den Lauf der
Jahrhunderte zur reinen Gliederung der "Zeit" in Tălă-Perioden
gewandelt. Das trägt auch den alten Quellen Rechnung die Tălă
von den beiden Silben Tă und Lă ableiten.
Tă von
Tăndăva dem kosmischen Tanz von Gott Shivă und Lă von
Lăsyă
dem Tanz von Shivă's Frau Părvăti.
In der heutigen Musikpraxis haben die Tălă-Perioden
metrische Funktion. Ein festes Schema von Zeitmaßen wiederholt
sich immer wieder von neuem und reguliert so den gesamten musikalischen Fluss
gleichsam aus dem Hintergrund. Die Tălă-Periode lässt
der Melodie große metrisch-rhythmische Freiheit. Noch größere
Freiheit erlaubt sie dem Tablă-Spieler
In der Nordindischen Klassischen Musik
steht jedes Musikstück in einem bestimmten Răga
(Sanskrit: "Ranjayati iti Ragah" - "that which
colors the minds is a Raga" - Ravi Shankar in "My Music,
my Life" S.20) und in einem Tălă. Der Tălă wird
vom Tablă-Spieler gespielt und gehalten so, dass der Sänger oder
Instrumentalist in diesem gegebenen Rahmen bequem improvisieren kann, ohne
die korrekte Geschwindigkeit oder die Tălă - Struktur zu verlieren und
damit aus dem Rahmen zu fallen. Die wirklichen Tablă - Meister zeichnen
sich dadurch aus, dass kein Takt, dem anderen gleicht und trotzdem dem
Răga der zeitliche Rahmen gegeben wird um nicht auseinander zufallen.
Erst die jüngere Generation der Tablă- Virtuosen
wie z.B. der verstorbene Ustad Alla Rakha, sein Sohn Zakir Hussain, Anindo
Chatterjee oder Swapan Choudhury vermochten die Kunst des Tablă-Solos
einem breiteren (Außer-Indischen !) Publikum näher zu
bringen. Beim Tablă-Solo wählt
der Tablă-Spieler einen bestimmten Tălă, um in diesem metrischen Rahmen
seine rhythmischen Künste zu entfalten. Er wird von einer einfachen Melodie
der sogenannten Lahară oder Nagma auf einem Streichinstrument meist von
der Sărangi begleitet. Diese Lahară- Melodie ist genau so lang wie
ein Tălă- Zyklus ("Tălăvarta"). Der Sărangi- Spieler
muss die Gleichheit von Metrum, Länge und Geschwindigkeit strikt
bewahren, damit der Tablă-Spieler unbesorgt alle rhythmischen Feinheiten
ausspielen kann, ohne dabei den Tălă zu verlieren.
In der nordindischen klassischen Musik sind
noch etwa zwanzig Tălă in Gebrauch. Früher waren es einige Hundert,
denen man aber nur noch in der indischen Musikliteratur begegnet.
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Merkmale
der Tălă
Jeder Tălă besteht aus einer
bestimmten Anzahl von Zählzeiten, den sogenannten Mătră, die - zu
Gruppen von zwei, drei oder vier Schlägen zusammengefasst ("Anga
oder Vibahăga") - dem Tălă seine Struktur geben. So hat zum
Beispiel der auf 10 Schlägen basierende Jhaptăla zehn Mătră, die
in vier Vibahăga aufgeteilt sind:

Es gibt verschiedene Arten des Zeitgebens.
In der karnatischen südindischen Musik sitzt meist ein Musiker mit auf
der Bühne, der durch Händeklatschen oder mit Hilfe kleiner Becken
(Zimbeln) den Solisten das Metrum gibt. In der Nordindischen Klassik ist
das mittlerweile nur noch bei Dhrupad- oder Kirtan Gesang üblich. Beim
Tablă- Solo werden die Handzeichen nur noch dann gegeben wenn kein
Lahară- Spieler zur Verfügung steht.
Dieses Klatschen geschieht auf dreierlei
Weise, - Tăli (-manchmal
auch khulî), Khăli (-manchmal
auch mudî) und Sam
genannt, zu Beginn jedes Vibhăga- oder Tălă- Abschnittes. Tăli ist
eine Markierung die durch Klatschen angezeigt wird. In der Notation hat
sie den Wert einer römischen Zahl. Khăli ist ebenfalls eine Markierung,
doch ihre Bedeutung liegt in ihrem Kontrast zu Tăli. Khăli bedeutet
"leer", und steht somit im Tălă für Leerschlag, als
"Nichts" oder "Leere" dem "Etwas" von
Tăli und Sam gegenüber. Sie wird als Null notiert. Entsprechend wird
Khăli nicht durch Klatschen angezeigt , sondern durch ein lautloses Heben
der Handfläche. Sam ist der Beginn des Tălă- Zyklus und erhält die
deutlichste Markierung. Sam ist auch das Ende des Tălă- Zyklus. Wird Sam
erreicht , so stellt sich beim Zuhörer das gefühl von Vollständigkeit
und Zufriedenheit ein. Sam hat einen positiven Wert und wird in der
Notation als Pluszeichen notiert.
Hier ein Beispiel wie der zuvor
erwähnte Jhaptăl nach Anordnung von Sam Tăli, Khăli notiert
wird. Die zu jedem Tălă gehörende Standardkomposition der "Thekă"
ist hier am Beispiel des Jhaptăl mit angegeben.

Durch diese Sam- Tăli-Khăli - Struktur ist es möglich sich
in komplizierten Rhythmen zu orientieren, da sie mit deutlich hörbarer
Klangstruktur der jeweiligen Komposition einhergeht.
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Zu den verschiedenen Tablă Gharănăs
Gharănă
bedeutet wörtlich übersetzt Sippe oder Familie. Das bedeutet in der
Nordindischen klassischen Musik der zur Institution erhobene Personalstil eines
besonders schöpferischen Musikers. Die verschiedenen Gharănă werden
meist nach Geburts- oder Wohnort ihres Urhebers benannt. Die Tradition der
Gharănă wurde früher in erster Linie vom Vater auf den Sohn weitergegeben. Heute
steht dieser Begriff im wesentlichen für die jeweilige Stilrichtung in der das
Tablă- Spielen gelehrt und weitergegeben wird. Natürlich entbrennen hier auch
immer die, bisweilen sehr dogmatisch geführten, Diskussionen welcher Gharănă der
"Bessere",- "Reinere", "Authentischere" etc.
sei.
(Mir, - als wahrscheinlich lebenslangem
Tablă- Anfänger, - ist das ziemlich egal - mögen sich andere zu der
jeweiligen "Reinen Lehre" äußern. Ich bin froh einigermaßen
anständig die Lektionen meiner Lehrer bewältigen zu können)
Stilistisch! lassen sich im wesentlichen
drei Gharănă identifizieren:
(Sorry! - falls ich da dem einen
oder anderen Ustadji oder Guruji oder gar Inhaber einer "Gharănă-
Domain" zu nahe trete, diese Einteilung stammt von G.W. Wegener der Nikhil
Gosh zitiert)
Von meinen Lehrern weiß ich z.B. dass Zakir
Hussain sich wie sein Vater Ustad Alla Rakha der Punjab- Gharănă
nahe fühlt wobei er aber seine Spielweise wie die meisten moderneren Tablă -
Spieler nicht auf eine Gharănă festlegen lässt. Mein langjähriger
Lehrer (und Begleiter von Ustad Ali Akbar Khan ) - Swapan
Choudhury - lehrte mich überwiegend Kompositionen aus Lucknow und
Farukhabăd aber auch wunderschöne Kompositionen aus Delhi oder Ajrără.
Ebenso beherrscht z.B. Anindo Chatterjee verschiedene Gharănă und weiß sie
wunderbar zu spielen und weiterzugeben wie sein Sohn Anuba eindrucksvoll in All
India Radio 2003 bewiesen hat.
Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser
Stelle dennoch die verschiedenen Gharănă aufzählen:
Die fünf maßgeblichen und anerkannten sind wohl
-
1. Delhi
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2. Ajrără
-
3. Lucknow
-
4. Farukhabăd
-
5. Punjăb
Von diesen fünf Schulen leiten sich die
folgenden Stile, Schulen oder Zentren des Tablă- Spiels ab:
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6. Muradabăd
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7. Indore
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8. Dacca
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9. Benares (Varanassi)
-
Laliyănă
Der Delhi- Gharănă
Die Delhi- Gharănă ist der älteste
Tablă - Gharănă und wird Sidhăr
Khan (siehe oben) zugeschrieben. Feinheit der Rhythmischen
Kompositionen sowie Klarheit im erzeugen der Töne zeichnen diesen Stil aus. So
wird z.B das Na hell und klingend auf Kinar erzeugt.
Der Ajrără- Gharănă
...ist ein "Nebenprodukt des Delhi-
Gharănă. Er
unterscheidet sich vom Delhi- stil im Wesentlichen durch Triolenrhythmen die in
ausgedehnten Khăida (Qăydă)- Kompositionen entfaltet werden.
Der Purab Băj
Băj bedeutet "Stil" und Purab "ostlich",
womit die Lage der drei Städte Lucknow, Farukhabăd und Muradabăd, nämlich
östlich von Delhi gemeint ist. Da sich Technik und Spielweise ähneln werden
sie unter "Purab" zusammengefasst. der Purab- Stil verwendet mit
Vorliebe farbige und diffuse Klänge. Anstelle der klaren Kinăr- Schläge der
Delhi- Schule werden die resonanten Sur- Schläge bevorzugt. Das Klangspektrum
des Purab- Gharănă umfasst so ein breiteres Klangspektrum als das fast
asketisch anmutende Klangmaterial des Delhi- Gharănă. Auch die
Kompositionen weisen charakteristische Unterschiede auf. Beim Purab- Stil sind
alle Kompositionstypen vertreten, doch dominieren hier die Gat- Kompositionen,
die mit verhältnismäßig großer Lautstärke gespielt werden und oft recht
lang sein können. Die Variationen folgen viel weniger einem rationalen Schema
als die Variationen einer Delhi Komposition deren Verlauf selten Überraschungen
zulässt. Während im Delhi- Stil der Băyă immer beherrscht und kontrolliert
klingt wurden im Purab- Stil etliche Modulationen und Spielelemente mit
aufgenommen. Ein weiteres Merkmal ist auch die Verwendung von Phakhawaj- Tönen
und Silben welche der Delhi Stil in diesem Ausmaß nicht verwendet.
Der Punjăb- Gharănă
Dieser in Lahore und umliegenden Städten
beheimatete Gharănă unterscheidet sich von allen anderen durch Bau und
Spielweise der Băyă, der hier Dakhar oder Duggi genannt wird. (Wer Zakir
Hussain gehört hat wird wissen was ich damit meine). Die meisten Kompositionen
weisen eine beträchtliche Länge auf und werden oft noch lauter und kraftvoller
gespielt als im Purab- Stil. Herausragende Meister dieses Gharănă waren Miyăn
Fakir Bakhs und sein Sohn Kădir Bak
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